Wie ich mein erstes Silverrudder meisterte.
Auch wenn die momentanen Temperaturen und es der ungewöhnlich lange, schneereiche Winter 2026 zurzeit noch nicht vermuten lassen – der Frühling, und damit die neue Segelsaison stehen vor der Tür! Kribbelt es Sie auch schon in den Fingern? Wir können es jedenfalls beim SEGELHAUS nicht erwarten, endlich wieder die Masten zu stellen, die Schoten einzuziehen und aufs Wasser zu kommen! In diesem Artikel möchte ich Sie mitnehmen an Bord der FIRST 18 SE und zum Silverrudder, dem größten Einhand Offshore-Segelrennen der Welt – dieses habe ich vor 2 Jahren mit genau so einem Boot in Angriff genommen.

Viele Interessenten, mit denen wir beim SEGELHAUS sprechen, die sich für die FIRST-Reihe interessieren, haben oftmals immer auch die Idee, an der einen oder anderen Regatta teilnehmen zu wollen. Allein, der Respekt vor diesem Unterfangen ist vor allem für komplette Neulinge und jene Segler, die ohne Club-Hintergrund und damit dem Basiswissen um Segel-Regatten aufgewachsen sind, ein Buch mit sieben Siegeln. Ich möchte Ihnen etwas die Angst davor nehmen – denn auch für mich war das Silverrudder meine erste echte Einhand-Regatta! Alles halb so wild, wenn man das richtige Boot und ein wenig Vorbereitung hat.
Von Null auf Silverrudder: Geht das überhaupt?
Natürlich sollten Sie bei einer Teilnahme nicht komplett „unbeleckt“ sein, was die Handhabung Ihres Bootes angeht. Komplette Segel-Neulinge sollten daher vielleicht erst einmal mit der Mittwochsregatta des lokalen Clubs anfangen. Wer aber sein Boot souverän handhabt, für den stellt auch eine Regatta wie das Silverrudder keine unschaffbare Hürde dar. Als ich am Startort in Dänemark angekommen war, wurde ich erst einmal förmlich überrannt von den Eindrücken dort. Das komplette Hafenbecken von Svendborg ist komplett mit Regatta-Teilnehmern aller Klassen befüllt. Anlegen im Päckchen? Der ganze Hafen ist voll!

Hier dann gleich das erste Learning: Beim Silverrudder wird nach Bootsgrößen gestartet. Auch wenn insgesamt 450 Boote am Start sind, teilen sich diese auf sieben Startgruppen auf. Mit meiner FIRST 18 SE fand ich mich in der Gruppe „Kielboote Mini“ wieder. Meine unmittelbaren Konkurrenten (und damit das Startgetümmel) reduzierten sich somit auf überschaubare kaum 40 Boote. Wichtig ist nur, dass man am Starttag morgens pünktlich mit dem Boot im Startbereich kreuzt.
Die größte Offshore-Regatta der Welt – für Einsteiger?
Die Fotos vom Silverrudder-Start sind immer sehr beeindruckend. Und ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen, dass sich die Herzfrequenz hier in jedem Fall der 200 nähert. Da auch ich weder gestandener Regatta-Crack bin noch (leider) mit dem Talent eines Boris Herrmanns gesegnet, habe ich mich beim Vorstart komplett aus der Führungsgruppe an der Startlinie heraus gehalten. Warum Stress haben, warum Stress verursachen? Ich kreuzte hinter den Titel-Aspiranten, das Groß gesetzt aber immer am lupfen, die Fock noch eingerollt. Erst 20 Sekunden vor dem Startsignal rollte ich die Fock aus (was bei der FIRST 18 SE dank Rollanlage sehr schnell und einfach geht), schotete beide Segel dicht und beschleunigte.

Da waren die Führenden schon längst über der Linie, aber in so manchem engen Infight hatten die sich aufeinander zu konzentrieren: Ich hingegen konnte mit einigen bequemen Bootslängen Abstand vorausschauender segeln, die nächste Sund-Biegung anvisieren und mich vor allem aus den verwirbelten Abwinden der Segel heraushalten. Als Einsteiger würde ich Ihnen diese Taktik ebenso empfehlen: So schützen Sie Ihr Boot und die der anderen Teilnehmer vor Kollisionsschäden, werden nicht Teil des regattatypischen Gebrülls und können mit etwas Abstand sogar – quasi aus erster Reihe – viel lernen durch bloßes Zugucken. Keine Sorge, der 200er Puls wird schon wenige Minuten nach dem Start abflachen – denn dann realisieren alle, dass sie noch viele, viele Stunden vor sich haben …

Ich jedenfalls habe es mir im Cockpit bequem gemacht und versucht, die günstigsten Segelkurse in Relation zum Feld, der Strömung und den Winden zu finden. Denn gerade dicht unter Land sind die Auswirkungen von Bäumen oder anderen geographischen Gegebenheiten enorm. Da entscheiden oftmals wenige dutzend Meter Abstand mehr oder weniger zum Ufer, ob man guten Wind bekommt – oder gar keinen mehr. Ob man in der Strömung steckenbleibt, oder um die Ecken getragen wird. Auch hier lohnt es sich, die voraussegelnden Teilnehmer systematisch zu beobachten: Von den Fehlern derer kann man lernen. Bei mir war es so, dass ich durch diese Taktik durchaus den einen oder anderen Segler überholen konnte.
Darauf bereiten Sie sich vor – und darauf dürfen Sie sich freuen
Das Silverrudder ist nicht nur die teilnehmerstärkste und damit größte Einhand-Offshore-Regatta der Welt, sondern auch eine sehr vielseitige noch dazu. Die etwa140 Seemeilen rund um die dänische Insel Fünen (oder Fyn), sind abwechslungsreich und fordern Sie als Segler auf mehreren Gebieten. Dabei ist die Wettervorhersage fast die wichtigste – verpassen Sie also auf keinen Fall das top Skipper-Briefing am Vorabend! Dort wird durch ausgewiesene Wetter-Experten sehr genau dargelegt, wann man wo mit welchen Verhältnissen zu rechnen hat. Leider steckte ich zu diesem Zeitpunkt noch im Stau. Reisen Sie daher unbedingt mindestens einen Tag vorher, am besten 2 Tage vorher, an! Denn auch wenn ein Boot wie die FIRST 18 SE in unter 60 Minuten segelklar geriggt werden kann, Sie werden die Ruhe und die Infos des Vorabend-Briefings benötigen.

Das Starterfeld Ihrer Gruppe wird sich schnell auseinander ziehen. Aber Obacht! Von achtern kommen immer wieder die Teilnehmer der größeren (und damit viel schnelleren Bootsklassen) heran gerauscht! Auch wenn die Überholenden immer ausweichpflichtig sind, sollten Sie stets auch den Achtersektor im Blick haben. Freuen dürfen Sie sich auf wild-romantische Ein- und Ausblicke auf Fünen, fantastische dänische Landschaften, manchmal auf die Begleitung durch Ostsee-Delfine, sicher aber auf sehr anspruchsvolle Strömungs- und Windverhältnisse. Mindestens bei Middelfart, wo je nach Tageszeit und Wetterlage eine sehr starke Strömung von über 5 Knoten (!) setzen kann, werden Ihr ganzes Können, taktisches Abwegen, Geduld und mentale Kraft gefordert sein.

Und dabei können Sie sich glücklich schätzen, wenn es Wind hat. Hat es nämlich keinen oder nur sehr schwachen Wind, dann treiben Sie. Selbstverständlich wird disqualifiziert, wer seinen Motor nutzt. Gerade die Brückenpassagen sind daher immer die spannendsten Orte der Regatta. Wer hier treibend steckenbleibt, den kann es auf Grund setzen (alles schon passiert). Wer die Strömung gegen sich hat, wird in den schier endlosen Wenden (oder schlimmer noch, Halsen) verrückt werden. Und dann die lange Passage durch den Belt: Hier kann es stürmen mit hohen Wellen, oder eben Flaute haben bei Sonnenbrand-Gefahr. Eine gute Vorbereitung – auch was Verpflegung, Getränke und vor allem Segelklamotten angeht – ist das A und O!
Das perfekte Segelboot für den Regatta-Einstieg: FIRST 18 SE
Ich habe mich damals für die FIRST 18 SE von BENETEAU entschieden. Warum? Sie ist einfach zu transportieren, extrem einfach (auch alleine) zu slippen und mit nur zwei helfenden Händen steht der Mast in wenigen Minuten. Das Boot ist sehr leistungsfähig (sie kann gleiten!) und bietet dabei als Kielboot enorme Sicherheitsreserven. Sowohl in der Bodenklappe im Cockpit wie auch in der Kabine kann man Proviant und Klamotten unterbringen, die immer griffbereit sind. Seascape hat hier eine extrem konkurrenzfähige, aber eben einfach und sicher zu bedienende kleine Rennyacht gebaut.

Natürlich war bei mir nicht alles perfekt: Abgesehen von meiner sehr verspäteten Ankunft, die dazu führte, dass ich das Wetter-Briefing verpasst habe und auch nachts eher wenig, sehr unruhig schlafen konnte, war meine FIRST 18 SE nicht mit einem Autopiloten ausgerüstet. Großer Fehler! Selbst wenn es „nur“ der Raymarine ST 1000 Pinnenpilot ist: Ich war am Ende meiner Silverrudder-Challenge über 40 Stunden ununterbrochen an der Pinne … Sie können sich sicher vorstellen, was das mit Nacken, Beinen und vor allem dem Sitzfleisch macht. Investieren Sie bei Ihrem Boote also in jedem Fall immer in einen vernünftigen Autopiloten!

Das zweite Manko bei meiner Silverrudder-Teilnahme war das Fehlen eines Plotters oder einer anderen Navigationsanzeige. Es gibt ab Werft keine Plotter-Lösung für die FIRST 18 SE, wir können Ihnen aber ohne Probleme die Schwenk-Halterung für einen Plotter der FIRST 27 SE installieren, oder Sie schaffen sich ein marinisiertes Navigations-Display, zum Beispiel das von Orca, an. Manche Smart Watches und sogar das ausrangierte Table mit Navionics sind auch gut – alles besser als nichts. Warum? Nun, als ich nach über 40 Stunden, nachts, völlig ausgelaugt und benommen Svendborg voraus hatte, verschätzte ich mich derart bei der Zieleinfahrt, dass ich doch glatt wenige Meter vor der selbigen in meinen Liegeplatz abgebogen bin! Können Sie sich das vorstellen?! Also, machen Sie es nicht wie Ole, hören Sie auf Ole: Ein Navigations-Display mit digitalen Seekarten und genauer GPS-Position gehört auch an Bord eines so kleinen Segelbootes, wie die FRIST 18 SE.
Für Profis und Anfänger gleichermaßen: Das ist der Seascape-Spirit!
Ansonsten kann ich persönlich – eben selbst „Einsteiger“, was das Einhand-Regattasegeln angeht – nur Gutes sowohl über die FIRST 18 SE als auch das Silverrudder berichten. Wenn Sie es schaffen, bemühen Sie sich um einen Startplatz und stürzen Sie sich ins Getümmel rund um Fünen, es wird sicher ein unvergessliches Abenteuer! Für Seascape- und FIRST-Segler sowieso noch viel mehr: Denn von den 450 Booten am Start wird ein nicht unerheblicher Anteil auf der gleichen Marke unterwegs sein, wie Sie. FIRST selbst ist mit einem eigenen Zelt am Start, man hilft sich (für Sie getestet!) beim Riggen und Vorbereiten. Es ist eine megastarke Stimmung!

Die FIRST 18 SE hat sich mir auch auf der teilweise sehr bewegten Ostsee als schnelles, leistungsfähiges Boot auf allen Windkursen präsentiert. Auch unter Winddruck bleibt sie auf der Pinne jederzeit steuerfähig (das weiß ich nun zur gut!) und dank des einfachen Riggs ist der Segeltrimm ein Kinderspiel. Die FIRST 18 SE segelt bei viel Welle natürlich „nass“, weshalb gute Offshore-Kleidung auch im Sommer (und bei Nacht) angesagt sind. Und nach dem Rennen? In unter einer Stunde ist sie wieder transportfähig auf dem Trailer. Leistung, einfache Handhabung, wenig Folge-Stress: Das bieten so sehr wenige Segelboote.

Sie haben Lust bekommen, die FIRST 18 SE als Ihr nächstes Segelboot ernsthaft in Betracht zu ziehen? Kontaktieren Sie mich bitte gern, ich sende Ihnen auf Wunsch die aktuellen Options- und Preislisten zu und berate Sie auf eine passende Spezifikation. Ihr Neuboot wird vom SEGELHAUS vorkommissioniert (Stichwort: Antifouling) und gern liefern wir Ihnen das Boot auch an dem Revier aus, in dem Sie segeln – von der Ostsee bis zum Bodensee, vom Zwenkauer See bis Ijsselmeer!
Nur beim Silverrudder-Startplatz, da müssen wir passen: Hier hilft wirklich nur Glück beim Frühbuchen …

Kommentar verfassen